Aalfang im Hintergrund mit aktueller Zuwegung (Brücke)

Wiederherstellung einer Aalfanganlage an der Wietze in Müden/Oertze

An vielen Flüssen in Niedersachsen gab es in der Vergangenheit sog. Aalfangeinrichtungen, kurz Aalfang. Diese dienten dazu, den ehemals reichen Aalbesatz abzufischen und der Ernährung zu zuführen. Heute sind – soweit bekannt – nur noch sehr wenige Zeugnisse dieser Vergangenheit vorhanden.
Ein Relikt findet sich in Müden/Oe an der Wietze im früheren Nutzungsbereich des sogenannten „Peetshofs“, ein ehemalig bäuerliches Anwesen in der Ortschaft Müden(Örtze). Der Aalfang befindet sich ca. 650m vor dem Zusammenfluss von Wietze in Oertze auf der flussabwärts rechten Seite der Wietze, siehe Lageplan in der Anlage.

Hans-Jürgen Dralle
Projektverantwortlicher: Hans-Jürgen Dralle

Aalfang bezeichnet grundsätzlich das Fischen von Aalen mit unterschiedlichen Methoden beziehungsweise Fangtechniken. Je nach Gewässer und Aalart erwies bzw. erweist sich die eine oder andere Methode als erfolgreicher.

Mit dem Begriff Aalfang wurden/werden Anlagen bezeichnet, die meist aus hölzernen, festen Installationen am Abfluss/ Wehr von aufgestauten (Mühlen-)Teichen standen, um die durchschwimmenden Aale darin aufzufangen. Beim gelegentlichen oder regelmäßigen Ablassen des Teichwassers konnten Aale darin abgefischt werden. Diese Anlagen waren einfach zu handhaben und auch baulich komplett an den Flüssen herstellbar. Sie waren so konzipiert und der Abstand der „Latten“ so gewählt, dass der Fisch beim Anstauen des Fließgewässers durch die Strömung in den vorgefertigten Korb „geschwemmt“ wurde. Nach Ablass der Anstauung konnten die erwachsenen Fische aus dem begehbaren Korb entnommen werden. Kleinere Fische/Aale
schlüpften durch die Latten und lebten in den Gewässern weiter.

Aktuell ist der bestehende Aalfang in seiner Gesamtkonstruktion abgängig. Sowohl das Anstauwehr wir auch die Korbanlage sind in einem baulich sehr schlechten Zustand. Die Grundschwelle sowie auch das Ständerwerk sind unter- und umspült. Bei Hochwasser ist mittelfristig mit einem Wegbrechen der historischen Anlage zu rechnen. Der eigentliche Zweck der Anlage ist nicht mehr erkennbar.

Projektbausteine und Ziele
Die Wiederherstellung soll bezwecken, dass diese historisch einmalige Anlage in ihrer Zweckbestimmung nicht verloren geht und für nachfolgende Generationen als Kultur-erbe erhalten bleibt. Weiterhin soll diese Anlage touristisch erschlossen werden, so dass Gäste im Rahmen einer Dorfführung über den Sinn und Zweck einer solchen Aalfangeinrichtung informiert werden. Wanderer auf dem Heidschnuckenweg können ebenfalls mit einem kurzen Abstecher das Anschauungsobjekt betrachten. Das Gebiet um den Aalfang auf der rechten Seite der Wietze grenzt an eine FFH Zone und kann somit dem Besucher zusätzlich einen Einblick in die dortige Naturentwicklung geben.

Bauliche Umsetzung
Aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Durchlässigkeit von Fließgewässern ist die „historische“ Wiederherstellung geplant.
Dies bedeutet, dass mit der Wiederherstellung den gesetzlichen Vorgaben Rechnung getragen wird. Die Stauwehranlage wird ohne Grundschwelle hergestellt. Die Aal-fanganlage wird komplett gebaut. Einzig das Anstauen ist in Verbindung mit dem neuen Aalfang nicht mehr möglich, jedoch bleibt das Grundprinzip erkennbar und kann für die Nachwelt aufgezeigt werden. Neben dem Aalfang wird eine besucherge-rechte Beschilderung, Zuwegung sowie Querung der Wietze (Brücke für Fußgänger) erforderlich. Die wiederhergestellte Aalfanganlage erweitert das Wissen um die fast 1000-jährige Ortschaft Müden/Oe, welches im Jahr 2022 begangen werden soll. Naturschutzrechtliche Betrachtung Ggf. ist in Verbindung mit der Umsetzung des Projekts ein Artenschutzgutachten und ein FFH-Verträglichkeitsuntersuchung erforderlich.